Gibt es mit Super E10 wirklich so viele Nachteile?

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Gibt es mit Super E10 wirklich so viele Nachteile?

Horrorszenarien wie ein Mehrverbrauch von 30 %, ein stotternder Motorlauf oder gar sofortige Motorschäden gibt es nur beim Stammtisch. Wenn ein Fahrzeug für Kraftstoffe mit erhöhtem Ethanolanteil freigegeben ist (was bei den meisten Pkw seit den frühen 90er Jahren der Fall ist), was sich in angepassten Gummi, - und Metallteilen (beispielsweise ethanolfeste Aluminiumlegierungen) zeigt, kann man E10 völlig problemlos tanken.

Ein Kollege meinte man bräuchte dann mehr Sprit, also lohnt der eingesparte Preis nicht. Man lege sogar drauf.

Dein Kollege hat keine Ahnung, oder kann nicht rechnen. Zwar steigt der Verbrauch minimal, jedoch legt man definitiv nicht drauf. Der folgende vom TÜV getestete VW Golf TSI zeigte im Vergleich E5/E10 einen Mehrverbrauch von gerade mal 0,8 %, während E10 aktuell rund 4 % weniger als E5 kostet:

Sehr interessant an dieser Stelle: Die geringfügige Mehrleistung, wahrscheinlich resultierend aus der höheren Oktanzahl und besseren Gemischbildung von Ethanol - denn der am Stammtisch gerne als "Ökoplörre" bezeichnete Kraftstoff ist technishc gesehen sogar hochwertiger, weshalb ihn z.B. Mazda sogar ausdrücklich empfiehlt (weil damit weniger Verkokungen entstehen). Den Begriff "Plörre" passt eher auf das vergleichsweise unreine Erdölraffinat.

Dann steht in vielen Foren, dass E10 die Bauteile und Leitungen stärker angreift, einen Wasseranteil in Tank und Motor, sowie Motoröl hinterlässt und dass er den Ölfilm stärker von den Zylinderlaufflächen oder Wänden abspült.

Ethanol ist "hygroskopisch", zieht also Wasser. Das führt dazu, dass sich im Extremfall mehr Wasser im Tank binden kann. Wer sein Auto über eine längere Zeit einmotten möchte, und seinen Blechtank vor Korrosion schützen möchte, nimmt daher also idealerweise E85 (welchen es aber hierzulande nicht mehr gibt).

Auch ist es richtig, DASS Bauteile stärker angegriffen werden. Das Magazin "Oldtimer Markt" hat 05/2012 hierzu einen Dauertest gemacht. Das Ergebnis finde ich erstaunlich -hier mal ein Ausschnitt:

Ethanol erzeugt etwas mehr Wasser bei der Verbrennung, das stimmt ebenfalls. Dies führt jedoch nicht zu einem höheren Motorverschleiß, dazu ist die Temperatur im Brennraum zu hoch. Künftig wird sogar von manchen Herstellern (BMW auf alle Fälle) geplant, absichtlich Wasser bei bestimmten Motoren einzuspritzen. Hierdurch steigt die Leistung an, und der Verbrauch sinkt - offenbar nach dem gleichen Prinzip "Wasser in brennenden Topf mit Öl".

Woher ich das weiß:Recherche
 - (Auto, Motor, BMW)  - (Auto, Motor, BMW)

Hallo, danke für die ausführliche Antwort.

Sehr interessant. Mein Fahrzeug ist nur im Sommer angemeldet. Dann würde ich einfach vor dem Einmotten wieder auf E5 umstellen.

Wie kann man sich den höheren Verbrauch bei Super Plus erklären?

Das mit dem E10 Test verstehe ich gerade nicht richtig. Einmal wird von E5 berichtet (beim zersetzten Schlauch).

Also ist er laut dem Test nicht so schlimm wie rumerzählt wird?

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@Derfrager96
Dann würde ich einfach vor dem Einmotten wieder auf E5 umstellen.

Gemeint war tatsächlich E85, nicht E5. Weil der am meisten Wasser bindet, welches dann keine Korrosion im Tank erzeugen kann - wobei das beim F30 eh egal ist, weil der einen Kunststofftank hat.

Wie kann man sich den höheren Verbrauch bei Super Plus erklären?

Gute Frage. Eigentlich sollte er bei einem Motor mit Klopfsensor einen Ticken geringer ausfallen als bei E10, zumal Ethanol weniger Energie enthält, und Super Plus sollte theoretisch den geringsten Ethanolgehalt aufweisen. Vielleicht hat man eine Spritsorte mit geringerem Energiegehalt erwischt.

Das mit dem E10 Test verstehe ich gerade nicht richtig. Einmal wird von E5 berichtet (beim zersetzten Schlauch).

Getestet wurde E5, E10 und E85. In letzterem hielten die Teile am kürzesten, E5 kam an zweiter Stelle, E10 war am günstigsten. Dieses Ergebnis hatte man auch nicht erwartet, als Fazit wird gemutmaßt, dass ein bestimmter Alkoholgehalt sich günstig auf Korrosion von Aluteilen und Zersetzung von Gummiteilen auswirken könnte, während ein zu hoher und zu niedriger sich negativ auswirkt. Ausdrücklich wurde auf die laienhafte Ausführung des Tests hingewiesen - es ging nur um grobe Ergebnisse

Ist auch egal: BMW erteilt für E10 eine Freigabe. Also kannst Du es bedenkenlos tanken, und hast mit Glück sogar einen kleinen Leistungsvorteil. Auch meinen M52 im E39 tanke ich grundsätzlich mit E10, und auf dem Prüfstand leistete er nach 150.000 km 173 statt 170 PS. Wie die Leistung mit E5 oder dem empfohlenen SP gewesen wäre, weiß ich allerdings nicht.

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@checkpointarea

Alles klar. Wie kann man sich das mit dem Wasser vorstellen? Ist der dann gleichmäßig mit dem Benzin gemischt oder schwimmt das Wasser dann unten/oben? Weil das kommt ja dann beim fahren auch wieder in den Motor.

Also gut, dann werde ich es mal ausprobieren. Ich glaube es gibt ja in den Usa auch sprit welcher einen noch höheren Anteil an Ethanol hat.

Ich nehme an der E39 ist auch so Baujahr 1997. Ich habe nämlich noch einen E36 mit M43 Motor. Da hatte ich bedenken wegen den Dichtungen

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@Derfrager96
Ist der dann gleichmäßig mit dem Benzin gemischt oder schwimmt das Wasser dann unten/oben? 

Kann ich Dir nicht genau sagen. Habe beim Ausbau eines Tanks noch nie Wasser gesehen, daher wahrscheinlich gemischt. Ein Chemiker wäre hier vielleicht der bessere Diskussionspartner, bin nur Mechaniker, und aktuell auch nur noch branchenfremd tätig seit vielen Jahren.

Ich glaube es gibt ja in den Usa auch sprit welcher einen noch höheren Anteil an Ethanol hat.

So ist es - und das schon sehr lange. Bis E85 meinen Recherchen nach, also großteils Ethanol mit einen Schuss Benzin. Hier benötigt man allerdings modifzierte Motoren, besonders für den Kaltstart. Ford hatte sowas mal auch hier angeboten, ich meine, die nannten es "Flexfuel"

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@checkpointarea

Okay super. Noch eine Frage. Man sagte mir, E10 hätte eine geringere Energiedichte und deshalb der kleine Mehrverbrauch. Was ist dem Motor wichtiger? Die Klopffestigkeit oder die Energiedichte?

Also ich habe mal einen Versuch mit dem E36 gewagt und habe E10 getankt. Ich hatte nur bedenken, weil der Wagen den Sprit nicht kennt. Keine Ahnung ob es deshalb Unverträglichkeiten mit Leitungen usw. gibt.

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@Derfrager96
Was ist dem Motor wichtiger? Die Klopffestigkeit oder die Energiedichte?

Hängt vom Motor ab. Ist ein Klopfsensor verbaut, kann man die Zündung immer nah an die "Klopfgrenze" bringen, in diesem Falle wird jeder Sprit bis zu einer bestimmten Grenze (102 Oktan, wie sie z.B. V - Power bietet, erkennen nur die wenigsten) optimal ausgenutzt. Der Wirkungsgrad eines Motors schwankt je nach Last und Drehzahl, gipfelt bei den besten Ottomotoren aktuell bei ca. 40 % - d.h. der Rest des Energiegehalts wird in meist nutzlose Wärme umgewandelt. Bei sehr niedriger Last und hoher Drehzahl kann sich der Wirkungsgrad aber bequem auch mal vierteln. Deswegen ist es unmöglich, eine gesamtheitliche Aussage auf die Frage, was denn nun wichtiger ist, zu tätigen. Klar ist nur: Hat man keinen Klopfsensor, spielt ein geringerer Energiegehalt direkt in den Verbrauch ein. Da der Unterschied bezüglich des Energiegehalts zwischen beispielsweise E5 und E10 nicht groß ist, kann man selbst hierbei nur selten einen Verbrauchsnachteil messen - ich hab´s an der Tankstelle bei meinen Motoren ohne Klopfsensor noch nie gechafft, sind allerdings auch Kleinaggregate mit 50 bis 250 cm³ Hubraum, dementsprechend geringem Grunddurchsatz.

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Wenn dein Wagen- bzw. Motormodell dafür freigegeben ist, darfst du es tanken. In der Bedienungsanleitung steht dann mehr dazu. Dort könnte z.B. stehen, dass man es nicht ständig tanken darf, oder Leistungsverlust besteht oder man die volle Leistung nicht abrufen sollte oder, oder....

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